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Verwaiste
Eltern
Cuxhaven   Jutta Willms, Schubertstraße 2, 27474 Cuxhaven

Gedicht von Helma Sielemann während eines Trauerseminars im Mai 2004 der Verwaisten Eltern Cuxhaven. Ihr Sohn Patrik starb im Alter von 22 Jahren bei einem Verkehrsunfall

          20.12.1979                         Für Patrik                              4.09.2002    

Träume

Laufen am Strand, alles genießen und keine Angst haben
Schlafen in der Sonne, Ruhe bewahren
Die Träume Wirklichkeit werden lassen
An den freien Tagen im Garten zwischen den Blumen liegen
auftanken und voller Tatendrang sein
Das warst Du
und jetzt versuchen wir, dies für Dich zu tun
Und am Abend Dir alles zu erzählen
laut, leise oder nur in Gedanken




WIR HATTEN TRÄUME MIT DIR

Den folgenden Brief schrieb Christel Behring im Oktober 97 an ihren Sohn Holger, der im Alter von 20 Jahren am 27. Februar 1986 sein Leben bei einem Verkehrsunfall verlor.

Mein Sohn,
du bist so einfach von uns gegangen, hast uns allein gelassen. Wo bist du?
„Bei Gott“
Ob wohl dein Blick auf uns fällt?
Wir vermissen dich! Du fehlst uns sehr!
Wir gönnen dir deine Ruhe und den Frieden, aber wir sind Traurig, dass du nicht mehr bei uns bist!
Es ist als ob ein Stück aus unserem Herzen gerissen wurde!
Die Sehnsucht nach dir übermannt mich,
die Tränen laufen mir übers Gesicht wenn ich daran denke,
welche Träume wir mit dir hatten.
Wie würdest du heute wohl aussehen?
Hättest du eine Frau?
Hättest du Kinder?
Würdest du uns wohl noch kennen?
Ich gehe zu deinem Grab, sehe auf die kalte Erde und erblicke das Licht in der Leuchte;
es soll die Verbindung zu dir, mein Kind sein.
Ich bin traurig: das war alles -
dein kurzes Leben!
Wir müssen ohne dich leben,
- nur eine Grabstätte!
In unserem Herzen wirst du weiter leben.


Gedicht von Christel Behring - Januar 2005

Tiefe Trauer in einsamer Stille,
wo ist Raum zum Gespräch miteinander?
Ich will ihn finden, den Raum
ich will traurig sein,
weil mir mein Kind genommen.
Tränen pflastern meinen Weg,
den Weg durch das Tal der tiefen Trauer.
Gibt es auch für mich wieder Licht?
Die Dunkelheit erdrückt mich, ich kann kaum atmen.
Gott wo warst du, als mich das Unglück traf?
Ich suche den Raum, in dem ich Menschen finde,
die mir helfen, mein Leid zu tragen.
Laß mich Spuren finden,
die mein Leben wieder erträglicher machen!

Advent – ein Lichtlein brennt …

heißt es in dem Gedicht. Bei uns ist seit dem Tod unseres Sohnes das Licht erloschen. Die Advents- und Weihnachtszeit hat einen anderen Wert bekommen. Sie ist nicht mehr fröhlich und unbeschwert, sie ist oft bedrückend. Die Freude auf die Zeit der Heimlichkeiten, die Freude über das gemeinsame Zusammensitzen, bei Kerzenschein, ist jäh zerbrochen. Geblieben ist der Weg zum Grab. Dort versuchen wir, unserem Kind nah zu sein. Wir zünden eine Kerze an, damit das Licht wieder einen neuen Anfang findet. Wenn auch etwas anders. Am Heiligabend in der Kirche versuchen wir uns ein wenig auf diesen Tag einzustellen. Ab und zu gelingt es uns, oft geht es nicht ohne Tränen. Im Laufe der Jahre haben wir gelernt damit zu leben, ja umzugehen! Dann sehen wir am Ende auch mal wieder das Adventslicht.

 

Ansprache am 11.12.2005 in der Kirche St. Martin zum Gedenktag an die verstorbenen Kinder von Frau Christel Behring:

 

Die Farben des Regenbogens:

 

Schwarz:

Meine Welt ist stehen geblieben. Ich kann es nicht glauben. Es ist unfassbar, mein Kind ist tot. Um mich herum versinkt alles in Dunkelheit. Wie kann ich jemals damit leben? Wo bist du, Gott, warum hast du mein Kind nicht beschützt, es nicht gerettet? Ich habe dir vertraut! Wo ist das Licht um mir einen Weg zu zeigen?

 

Violett:

Für mich drückt seitdem Violett die Verbindung zu Gott, zum Universum, zur Unendlichkeit aus. Vertrauen und Glaube

 

Blau:

Meine Trauer und mein Schmerz kehren immer wieder, wie die Wogen des Meeres. Einmal heftig, dann wieder ganz sachte. Dazwischen finde ich immer wieder auch Ruhe, Inseln, auf denen ich mich ausruhen und Kraft sammeln kann. Das Blau des Himmels, mit seiner Weite, lässt mich zur Ruhe kommen. Auch mein Horizont beginnt sich wieder zu weiten. Ich sehe nicht mehr nur mich und meinen Schmerz

 

Grün:

Nach langem Winter kommt der Frühling. Hoffnung auf Leben. Auch ich möchte hoffen, heil werden. Aber mein Grün ist noch zart und zaghaft. Ich kann mich nur zögernd öffnen, habe Angst, noch einmal zurückgeworfen zu werden. Doch spüre ich, dass ich mit dieser Hoffnung, wenn sie denn wächst, neu anfangen möchte

 

Gelb:

Unsere Kinder gingen zurück in das Licht, aus dem sie kamen. Nach all dem Schmerz sehe ich jetzt wieder ein kleines Licht. Wärme spüre ich auf meiner Haut nach all den dunklen Monaten. Ich sehe wieder Blumen blühen, in hellen leuchtenden Farben, und höre Vögel singen.

Das alles nehme ich wieder war und habe neue Hoffnung und Zuversicht

 

Orange:

In dieser Farbe steckt so viel Licht und Wärme. Da springt ein Funke über. Das gibt mir von meiner verlorenen Kraft zurück. Auch wenn ich manchmal zweifle – der Mut, weiter zu leben, etwas Neues zu wagen, überwiegt. Das macht mich auch glücklich, denn ich weiß, das die dunkle Zeit keine Macht mehr über mich hat.

 

Rot:

Rot ist eine Farbe voller Kraft und Energie. Es ist die Farbe der Liebe, aber auch des Blutes. Der Verletzung nach dem Tod unseres Kindes. Es war ein langer Weg durch die Trauer, bis ich ein Stück meines Lebensmutes zurückgewinnen konnte. Heute kann ich sagen, ich habe gelernt, mit diesem Tod zu leben, auch wenn es Tage gibt, an denen der Schmerz mich wiederberührt. Doch meine Liebe überspringt auch die Grenzen in die andere Welt. Und unsere Kinder haben ihren Platz in unserem Herzen

 

Weiß:

Alle Farben zusammen ergeben das weiße Licht. Vielleicht ist es das Ziel, die Unendlichkeit, die Ewigkeit, das Sein.

Wenn Anfang und Ende eins sind, alle Gefühle vollendet, alle Zweifel beseitigt, wenn wir nur noch sind

 

 


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